Archiv

die zigarette, die in seinem aschenbecher eingeklemmt vor sich hin brannte, zog rauchige fäden. ein bild von einer brennenden zigarette in einem aschenbecher. mehr nicht. dann wird die zigarette aus ihrem aschenbecher genommen, für einen moment sieht man nur den aschenbecher, dann kommt seine zigarette, ein stück kürzer, zurück.
es ist ein milder dezemberabend, von winter merkte man nicht viel. draussen rauschen die bäume, geknickt und geschüttelt vom wind.
an den bäumen vorbei geschaut, schaut man auf die nächste stadt, am abend sieht man nur lichter, eine wirre, scheibar wirre anordnung von lichtern, mal dicker, mal dünner, mal dunkler, mal heller. aber licht es ist trotzdem.

man hört, während man auf die brennende zigarette im aschenbecher schaut, geräusche, geräusche, die danach klingen, wie sich jemand eine hose anzieht. dann die gürtelschnalle, wie sie einrastet. er macht sich fertig. er möchte raus an die luft
dieser abend brachte ihm bisher keine ruhe. und er weiss nicht, warum er keine ruhe findet. vielleicht würde er sie draussen finden.

man sieht die zigarette, wie sie aus dem aschenbecher genommen wird, ein schöner aschenbecher aus massivem glas, transparent, mit asche und zwei, drei zigarettenstummeln.

das bild wechselt.
man sieht, wie der autoschlüssel vom haken genommen wird.
dann sieht man in einem neuen bild das haus, indem er, unser protagonist, sich aufhält, von außen, und wie die lichter ausgehen.

in einem neuen bild sieht man die scheinwerfer des autos, sie werden eingeschaltet, man hört den motor starten. es folgen szenen eines autos, dass durch eine nächtliche stadt fährt, nahezu alleine.

diesen drang ausbrechen zu wollen, man kann ihn nur schwer beschreiben. wie ein ballon, der im brustkorb sitzt und immer größer wird.
bis man das gefühl hat, er könnte jeden moment platzen.

mit jeder minute in bewegung wird der druck geringer.
es tut gut draussen zu sein, die welt an sich vorbei ziehen zu sehen. er muss an ein lied von silbermond denken, durch die nacht. zu gut passt es in diesem moment.

ein neues bild zeigt das türschloss der haustüre. dann sieht man wie der haustürschlüssel in das schloss gesteckt wird.
dann wechselt das bild gen himmel. er wird bereits wieder heller. und man hört das geräusch, wie die tür aufgeschlossen wird. und zum schluss, wie sie wieder zufällt...

7.12.06 16:33, kommentieren



sonntag nacht.
ich weiss nicht, der wievielte sonntag es bereits ist, durch den ich mich gequält habe. er hat seinen schrecken verloren.
wie sovieles in letzter zeit.
sonntag.
er präsentiert sich im moment genauso, wie ich ihn in immer erlebt habe: grau. kalt. irgendwie unfreundlich. und sehr grimmig.
und irgendwas verliert man immer an einem sonntag. oder man wird an einem sonntag allein gelassen.
hm, das kommt einem alles sehr bekannt vor. richtig, ich glaube zu wissen, woran mich das erinnert. noch gar nicht so lange ist es her.
ich erinnere mich...



ich hasse das, wenn man morgens aufwacht und wieder weiss, dass sie abhaut. zwar nicht für ewig, aber für lang genug. und dann schaue ich raus und sehe nur grau. okay, es ist auch grade oktober. und der sommer ist grade zu ende gegangen. ein schöner sommer, zu schön. ich schaue mich im zimmer um, und alles was ich sehe sind spuren und ergebnisse einer langen nacht, eines wochenendes.

dann wacht sie neben mir auf und lächelt dich an. ob sie nicht einen kuss von dir bekommt. soviele wie sie will. und das lächeln wird größer, meins aber verstummt innerlich. immer nur ein wochenende, das kann nicht lange gut gehen. und diese langen phasen dazwischen, manchmal vier, manchmal zwei wochen. man macht sich gedanken über die bedeutung des wortes "relationen"...

dann gehen wir raus, mit dem hund in den wald. der himmel lockert nach und nach auf und sonne kommt zum vorschein. und leicht windig ist es. der matsch unter unseren macht seine feuchten geräusche, schritt für schritt. genau wie die zeit, schritt für schritt rennt sie uns davon. schneller als uns lieb ist. und man kann nichts dagegen tun.
irgendwann ist es früh nachmittags. und es ist nicht mehr viel zeit. sachen werden gepackt, ihre sachen. man fühlt sich sonntags immer so hilflos. man sieht die dinge ihren lauf nehmen, das wandern der uhrzeiger, man sieht wie meine freundin ihre sachen packt. und nachher werde ich sehen wie der zug abfährt. mit ihr drin.

ich hasse sonntage...



lange ist es her. mittlerweile ist der sonntag ein eher angenehmer tag geworden. sonntags gibt es keine abschiede mehr, die man zu feiern hat. eigentlich eine schöne zeit.
aber gut, dass sie vorbei ist.
morgen ist montag. und ich freue mich schon darauf. das wär damals auch undenkbar gewesen...

1 Kommentar 11.12.06 01:29, kommentieren

ein traum. ein traum?

die b7 ist belebt wie immer.
auto nach auto. von vorne, von von hinten. sie alle hinterlassen dasselbe, irgendwie monotone geräusch. ein ständig anschwellendes rauschen, dass in seinem höhepunkt einen bellenden, hellen charakter hat, danach flaut es ab. das nächste rauschen kommt. und es hört nie auf, dieses wellenbad der geräusche.
diese strasse.
aufeinmal verschwinden die autos. sie verblassen. wie geister, die in die lüfte steigen.
und dann kommt stille.
und kein vogel bricht sie. die sonne wirft ein seltsames, milchiges licht auf die welt um mich herum. herbst?winter?sommer?frühling?
niemand kann es mir sagen, und es ist keiner da.
auf einmal höre ich tief in mir, und langsam lauter werdend, das weinen einer jungen frau. wer ist sie? kenne ich sie? nach und nach erkenne ich ihre stimme, es ist die meiner besten freundin.
warum weint sie?
vor mir erscheint langsam und wie aus dem nichts eine situation, ein auto, das einen unfall hatte. um das wrack herum krankenwagen, rotes und blaues licht, sanitäter. polizisten, einer von ihnen spricht mit meiner besten freunden, ein anderer mit meinem anderen freund von ihr und mir. sie weint. ich gehe auf sie zu, will sie trösten. ich rede zu ihr, spreche mit ihr. und sie ignoriert mich. ich versuche den polizisten anzusprechen, nichts. ich höre die personen nur, weinend, stotternd, ausser atem. von einem knall ist die rede, und dass alles so schnell ging. ich kann nicht mit dem anfangen, wovon sie alle reden. ich wende mich den sanitätern zu.
doch als ich sehe, was sie da tun, wird mir klar, was das ganze um mich herum zu bedeuten hat. auf der liege liegt eine person. das gesicht abgedeckt. blut überall, auf der kleidung, auf der stelle, an der die person lag. ein arm baumelt von der liege, und einer der sanitäter packt ihn wieder zurück auf die liege.
es dauert nicht lange, als ich sehe, dass ich es bin, der grade in den leichenwagen geschoben wird.
und wieder versuche ich mit meiner besten freundin zu reden. und wieder hört sie mich nicht...

1 Kommentar 13.12.06 01:11, kommentieren

ein liebesbekenntnis: solange man träume noch leben kann... in wuppertal

deine geschichte ist so schicksalbehaftet wie viele andere um dich herum, deine zukunft düsterer als die, der anderen.
deine narben sind gut verheilt, blühen und gedeihen prächtig in natürlichem grün, nur deine kinder können sie erkennen. und sie trauern in erzählungen, erinnerungen. hin und wieder stoßen wir auf sie, auf deine überbleibsel als erinnerung an deine besten zeiten und als ein hinweis, dich zu achten.
denn deine kinder haben deine zeiten miterlebt, in allem wie du sie durchgemacht hast. uns bleibt nichts von deinen schätzen, aber wir werden mit dir sein, wenn du deine zukunft durchschreitest. oder werden wir es doch nicht?
viele verlassen dich, zu recht und zu unrecht, zu schön bist und zu schwierig zugleich. wieso machst du es uns so schwer? du kannst nicht anders, ich weiß. alles, was uns bleibt, sind erzählungen und deine unverheilten narben. was wir damit anstellen, das bleibt uns überlassen und wir freuen uns, dass du sie hast.
aber wenn wir sehen, wie es war, und wie es heute ist, so wird klar, dass du dabei bist zu sterben. nie wird es so sein, wie damals, so stolz wie du warst. dein gesicht hast du schon lange verloren, was dir bleibt, ist ein alibi, auf das sich alle stürzen.
und daran kannst du dich klammern, das wird man dir nicht nehmen.

jeden abend denke ich daran, wie es damals gewesen sein muss. und jeden tag erinnert es mich an bilder, auf denen du völlig anders bist, lebendiger.

du hast viel mitgemacht und wirst viel leiden müssen. und wir müssen mit dir leiden.

4 Kommentare 17.12.06 07:07, kommentieren

wieder ist weihnachten und bald ist ein jahr vorbei. jetzt schon ein resummé wäre sicherlich noch etwas zu früh. aber weihnachten, wer feiert heute noch weihnachten statt an den konsumschlachten der firmen teilzunehmen und sich schön abschießen zu lassen?
es bleibt nichts anderes zu sagen, dass es jedem das seinige ist, was er in der zeit vor dem 24. dezember eines jeden jahres mit sich macht und machen lässt.
mein geschenk, was ich am "interessantesten" finde, ist meine neu entdeckte liebe zu wuppertal. das mag vielleicht jetzt etwas paranoid klingen, aber wuppertal hat eine sehr interessante geschichte. aus jeder zeit gibt es relikte, für die es gilt, entdeckt zu werden. ich werde bald, wahrscheinlich noch in den ferien, mit einem bildband anfangen, ein vergleich von damals und heute.

bis dahin wünsche ich allen ein frohes fest.

25.12.06 00:57, kommentieren