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7. august, 2007

alles ist irgendwie anders, aber es ist eigentlich auch nett, dass man mal an einem ort ist, wo alles anders als sonst ist. zig tausend kilometer von zuhause entfernt, und irgendwie will ich nicht mehr nach hause, wo mir die luft wegbleibt. die sorgen dort, rauben mir manchmal eh schon den letzten atemzug und nachts den letzten schlaf. warum also sollte ich nach hause wollen?
hier zu sein tut gut, und ich habe es andy schon oft gesagt, dass wenn ich hier bin, wahrscheinlich nicht mehr nach wuppertal will. und ich bekam als antwort darauf, dass ich es durchziehen und wirklich da bleiben sollte. hier, wo mich wenige und meine probleme gar keiner kennt, hier ist der richtige platz zum neu anfangen. wenn ich daran denke, dass ich wegen ein paar einzelner personen nachts stundenlang wachgelegen habe, so kann ich heute darueber fast lachen. oder doch nicht? etwas fehlt mir, etwas, was ich nur in wuppertal habe, und immer dort haben werde. wenn ich die moeglichkeit haette, hier zu bleiben, ich wuerde trotzdem nach hause zurueck gehen. aber nur um mich von allen zu verabschieden.

ich hoffe, dass irgendwann mal die gelegenheit da sein wird, dass ich vor der entscheidung stehe, heimat oder neues leben. ein neues leben in der heimat scheint im moment unmoeglich.
im moment. aber wie waere es wohl, meine heimat mit in mein neues leben zu nehmen? selten habe ich gemerkt, wie wichtig freunde sind...

5 Kommentare 9.8.07 01:59, kommentieren



déja-vù, zweiter teil

sieht ganz danach aus, als wenn der sommer schluss für heute macht. an sich etwas früh, aber es sieht ganz danach aus. leider.
ich bin seit einigen tagen wieder an einen für mich geschichtsträchtigen ort zurück gegekehrt. damals, vor dreieinhalb jahren, als die welt für mich ziemlich in ordnung war, da mochte ich diesen ort, nur wusste ich nicht warum.

ich kehrte die bühne, auf der ich schon seit geraumer zeit arbeitete, sauber und unterhielt mich dabei mit dem lehrling, der nach feierabend sein auto in die werktstatt holte um seine handbremse zu reparieren. der besen wirbelte staub und holzspäne auf und machte die sonnenstrahlen, die durch die hohen werkstattfenster fielen, sichtbar. es war feierabend und ich könnte schon längst auf dem weg nach hause sein. aber ich wartete noch, weil sarah auf dem weg nach schwelm, der stadt wo ich arbeitete, war. ja, und es war ein freitag in einem märz. die bäume hatten noch keine blätter und der wind konnte noch frisch sein, wenn er wollte.

vieles schien zusammen zu passen: ich hatte eine beschäftigung, die zu meinem hobby passte, die sonne schien, es war wochenende und meine freundin kommt zu mir, mit der ich bereits eine schöne zeit verlebt hatte. so oder so ähnlich stelle ich mir in ein paar jahren ein gutes leben vor; arbeit, frau und heiter sonnenschein.
ein schönes wochenende wünschend verabschiedete ich mich vom lehrling. tatsächlich waren die zehn minuten fußweg zum bahnhof die schönsten zehn minuten seit langer zeit. der rucksack auf meinem rücken gab mit jedem schritt einen leisen, knarzenden ton von sich und die halbvolle flasche wasser gluckerte ebenfalls leise.
es war hell, es war nachmittag und der frühling zeigte sich von seiner schönen seite. tatsächlich wehte ein immer noch frischer, aber auf eine gewisse art und weise schöner und angenehmer wind. ich schnippste die zigarette weg, nachdem ich in einigen hundert metern entfernung den bahnhof sah, betrat ihn sodann und machte ich mich auf zum bahnsteig zwei. doch auf der treppe kam mir sarah schon entgegen. ein kuss, der, wie sie mal beschrieb, ein kribbeln in der bauchgegend hervorrief, immer noch sogar, zur begrüßung, nahmen uns an die hand, ich hatte mir meine hände extra gründlich gewaschen, und liefen zurück zum bahnhofsvorplatz, wo wir auf meinen vater warteten, der uns abholte.

jetzt, dreieinhalb jahre später, bin ich zurück gekehrt. gezwungenermaßen, denn die geschichte wiederholt sich, wenn auch nicht komplett. wieder arbeite ich im selben betrieb, in derselben werkstatt. diesmal steht nicht der sommer vor der tür, so wie damals, sondern ist dabei, schon wieder zu gehen. und ich lerne neue gesichter kennen. der lehrling von damals ist heute meister. und ich finde mich in einem dreimonatigen déja-vù wieder. der geruch der werktstatt, diese geräuschkulisse, die hebebühne nummer vier, die ich damals gekehrt habe, vieles erinnert mich in den ersten drei sekunden, nachdem ich die werkstatt an diesem montag morgen betrat, an damals. sogar das licht, das später von draussen reinschien, war fast dasselbe wie an jenem freitag nachmittag.

nur war ich mir nicht so sicher, ob ich es eklig finde oder doch vielleicht versuchen sollte, etwas nettes oder sogar schönes dran zu finden. denn die umstände sind, wie so oft, ganz andere. denn das leben, wie es so ist, scheint einem manchmal etwas böses zu wollen: die freundin von damals gibts schon lange nicht mehr und die letzte große liebe hatte auch nur den wert einer wochenendaffäre. aber dafür darf ich zurück an diesen ort. dass allerdings die erinnerungen so schnell hoch- , eher zurückkommen, damit hätte ich aber auch nicht gerechnet.
überhaupt sind meine letzten wochen ziemlich ins seltsame und kuriose abgerutscht. vor zwei bis drei wochen träumte ich zwei mal von jener besagten freundin von damals. ich fragte mich erst gar nicht, warum ich von ihr träumte, zumal ich auch nur von einem sagen kann, dass er angenehm war, den anderen kann ich bis heute nicht bewerten, aber vielleicht hat es ja mit meiner rückkehr an diesen geschichtsträchtigen ort zu tun?


der weg, die häuser, alles um mich herum ist genauso wie damals. grau ist es geworden, meine füße schmerzen und es gibt niemanden am bahnhof, am bahnsteig zwei, der auf mich wartet. ich erwarte aber auch nicht viel, ich will nur nach hause. denn es sieht nach regen aus und frisch weht der wind auch noch.
ja, alles wirkt so ein wenig wie damals. klar, wieso sollte ich in der zwischenzeit auch genau diesen weg nochmal entlang gegangen sein? nein, dreieinhalb jahre liegen dazwischen. und dazwischen liegen so viele dinge, die passiert sind. soviele menschen, mit denen ich heute konversationen über dinge führe, die ich damals noch gar nicht kannte; menschen, die ich hätte kennen lernen sollen und menschen, über die ich heute froh bin, dass es sie gibt.

vieles ist so anders geworden. und der rahmen ist derselbe. wie ein bild, das nach dreieinhalb jahren neu gemalt wird. aber ohne dasselbe, alte motiv.

1 Kommentar 20.8.07 23:30, kommentieren