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das lied zur guten nacht

den wert einer freundschaft kann man nicht messen, wenn es eine gute freundschaft ist. so oder sowas in der art haben wir alle einmal gehört, mindestens. eine gute freundschaft lässt einen nie im stich, sie ist immer für dich da, sie ist ein teil von dir. je mehr du davon hast, umso besser. da würde ein verlust ja nicht viel ausmachen. oder doch?


drei, vier jahre warst du nun hier. und die meiste zeit davon haben wir uns gekannt. wir werden uns auch weiterhin kennen. aber du wirst bald weg sein, nach dorthin, woher du kamst. so wie ich mich jetzt fühle, so musst du dich gefühlt haben, als du hierhin kamst. alleine, leer, für dumm verkauft und schlecht.
als alle anderen sich veränderten, warst du noch der letzte, der sich je verändern würde. zu meinem glück denn, von dortan habe ich gemerkt, was eine tiefgehende freundschaft ist. zweieinhalb jahre haben wir hier die zeit verbracht, und zweieinhalb jahre gab es keinen streit. nicht, weil wir uns alles schön geredet hätten, sondern weil es keinen anlass gab. und ich hätte das gefühl, dass es auch nochmal zweieinhalb jahre gewesen wären. jetzt aber sind es keine vier wochen mehr, wo wir uns ein letztes mal verabschieden werden. denn danach werden wir uns nicht mehr alle paar tage sehen können, sondern eher nur noch alle paar monate, wenn überhaupt.

klar, nie haben wir es gesagt, aber immer gewusst: wir haben uns soviel gegeben, wir hätten uns auch weiterhin soviel gegeben. das weiss ich.
wir haben uns halt gegeben, wenn die frauen uns fertig gemacht haben und wir wegen ihnen schlechte laune hatten, wir haben die nächte zum tag gemacht, wenn ich mal wieder ein sturmfreies wochenende hatte, wir haben frauen und leute kennen gelernt, wie das wahrscheinlich kaum einer gekonnt hätte.
was wir auf den strassen erlebt haben, in anderen städten, in fremden kneipen, mit seltsamen leuten, das alles ist nun vorbei.
und zuviel haben wir zusammen durch gemacht, als wenn ich das so einfach hinter mich lassen könnte.

du hast damals deine freunde zurück gelassen, nun lässt du uns zurück. ich hoffe, dass es dir in berlin endlich wieder so gut geht, wie damals, als du dort noch wohntest. und auch wenn wir uns das nie so gesagt haben, du hast uns und vor allem mir sehr viel gegeben. und vielleicht haben wir dir auch wetas gegeben.

die nun anstehende zeit wird hart, und der frühling kommt auch bald. hoffe, du wirst eine gute zeit haben. vergiss uns nicht und wir werden uns bestimmt bald wiedersehen...

1 Kommentar 14.1.08 05:39, kommentieren



was auch immer du tust...

eben im autoradio lief zerrissen von juli.
ein so schönes lied, das grade dann rauskam, als sich grade eine neues kapitel in meinem leben auftat. und woran ich alles denken musste, als das lied lief.

mit einer zigarette in der hand und kanadische limo in der anderen, auf dieser veranda an der 16. strasse ost. selten so tolle sommerabende erlebt wie hier. die luft steht, warm wie eine winterdecke, und genauso anschmiegend. ich schaue auf die strasse. keine sonderlich gute, überall risse, bodenwellen. und unter dem laternenlicht unser roter jeep. ich hatte mal in einem autoprospekt vom mx-5 so ein bild gesehen. das auto, tau auf ihm, die laterne über ihm. nachts.
ich verliere mich die ganze zeit schon in erinnerungen. und höre dabei dieses lied. es lied auf auf meinem abiball. und danach auch. im tv, im radio, auf meinem mp3 player, im auto. klar, ich musste es in kanada unbedingt dabei haben. in wirklichkeit muss ich immer nur an eine person denken, wenn ich dieses lied höre. so auch hier in kanada. steffi hing noch lange zeit in meinem kopf. und zu diesem zeitpunkt, im juli 2007, da schwirrte sie schon sieben monate durch meinen schädel.

ich stand auf, nahm die flasche mit dieser kalorienhaltige, sehr leckeren flüssigkeit mit, den mp3 player sowieso, und zog los, die strasse runter. von oben sieht diese gegend gleich aus. von unten sowieso. ich laufe an der 17ten strasse vorbei. dasselbe bild wie bei mir in der 16ten. dieselbe schlechte strasse, und ein paar autos. diese bürgersteige hier finde ich irgendwie interessant, das sind eigentlich nur betonblöcke, die neben die strasse gesetzt worden sind. einfach, aber hässlich. aber wer sagt, dass es bei uns in deutschland soviel schöner ist?
an der 22ten fängt der sportplatz an. ein großes areal mit einigen spielfeldern und einer tribüne neben dem fußballplatz. dass die sowas hier auch spielen, hätte ich jetzt nicht so gedacht.
die tribüne zog mich irgendwie an und als ich auf sie zuging, bemerkte ich erst, wie das abendrot der sonne sich über ihr spannte. theatralisch und nett anzusehen.
einige jungen warfen sich einen rugbyball zu, unterhielten sich dabei. dieses englisch, was man nur aus dem fernsehn kennt, live. ich habe die musik leiser gemacht und versucht, zu verstehen, was die sich erzählen. irgendwas von dads neuem auto erzählte der typ mit den blonden haaren und dem roten tshirt. sie wirbelten etwas staub auf dem ascheplatz auf, und ich nahm eine zigarette aus der flachen schachtel und stecke sie mir an, liess die musik wieder laufen und trank einen schluck.

nun saß ich da, so drei meter über den dingen des lebens, und selten war ich so zufrieden wie in diesem moment. das leben in wuppertal kann mich mal, zumindest für die zeit, die ich hier in kanada bin. was steffi grade wohl macht? mir war schon klar, dass die sicher nicht grade an mich denkt. vor allem ihr satz "aus den augen, aus dem sinn" sagte schon alles. egal. ich mochte sie sehr. und wenn ich gewusst hätte, dass es mit uns so ein ende nimmt, hätte ich sie mit zu mir nach hause genommen, als wir in ihrem auto in meiner strasse saßen und sie mir zuflüsterte, dass sie gerne mal neben mir aufwachen würde.
ich redete mir ein, dass ich das vielleicht mall lieber hätte tun sollen, dann hätte ich zumindest was von gehabt. sie vielleicht auch. trophäen sammeln könnte man es nennen. hätte ich mal. sie hat es nicht anders verdient.

und dann lief wieder dieses lied von juli, zerrissen. der text, ziemlich eingängig. und auf einmal so reinredend. ich ertappte mich dabei zu merken, dass dieses lied mehr an sich hat, als die fragen "was hat dich so zerrissen", oder "was hat dich so verletzt", "was hat dich und dein leben und dein herz so zerfetzt?" und ich weiss in diesem moment, auf dieser tribüne mit fünf ebenen nicht, auf wen dieses lied passt. ein leichter schauer lief mir den rücken runter. und in meine arme.

"was auch immer du tust, was auch immer du sagst, ich pass auf dich auf, ich bleib für dich wach...".

auf dem weg nachhause zur 16ten strasse nehme ich eine paar umwege über die fenell avenue, wo der verkehr ganz schön dicht ist. wie im fernsehen, dachte ich mir. und zuhause in deutschland war dies immer eine fremde, aber so interessant wirkende welt.
und nun stehe ich mittendrin. mit dem wunsch nie mehr von hier weg zu gehen...

1 Kommentar 25.1.08 02:13, kommentieren