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nächster halt: wichlinghausen

totenstille.
wäre da nicht dieser regen. und der wind. dieser kalte, fast schon ekelhafte wind. und dann ist es dunkel. unglaublich dunkel, kein laterne um mich herum oder sonst was.
nicht zu erkennen, ob sich jemand nähert.
aber wer kommt schon um dieser uhrzeit an diesen ort? mitten in der stadt. und doch so gottverlassen. unglaublich, dass hier mal leben war. aber der beweis, ich stehe grade mittendrin. bzw. darunter, unter dem dach, der sich über den alten, einer von zweien, bahnsteig spannt und mir den nötigen schutz vor dem regen bietet.
angelehnt an das geländer, das sich an der treppe herunter in die unterführung zieht, stehe ich da und warte, das etwas passiert, obwohl ich weiss, dass nichts passieren wird. zumindest nicht jetzt. und wenn doch, würde es nicht in meinem interesse sein. einen mörder anzutreffen ist das letzte, was ich hier will. diese unterführung, ein einziger schrottplatz.
und vielleicht auch ein friedhof. wer weiß, ob oder wer hier wen schon alles ermordet hat. mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn mich da unten, knapp 5 meter unter mir, eine leiche zuschauen würde. ich merkte, dass horrorfilme in verbindung mit anschließenden besuchen stillgelegter bahnhöfe keine gute kombination sind.

ein etwas anderer ort meiner kindheit, dieser bahnhof. als ich fünf jahre alt war, stand ich schon einmal hier. mag sogar sein, dass es derselbe bahnsteig war, nummer zwei nämlich. mein vater und ich, wir sind damals blind drauf los mit dem zug gefahren. ich fand es spannend, solche ausflüge mit papa zu machen. auch wenn sie nicht so oft vorkamen, spannend waren sie allemal. und die sonne schien, das weiss ich noch. aber so richtig warm war es noch nicht. muss also so gegen frühling gewesen sein.
an das geräusch des zuges kann ich mich nicht so wirklich erinnern, es war für mich jedenfalls unangenehm. und dann diese rote farbe. als würden sie rosten, dachte ich damals. im zug selber, ich weiss nicht mehr in welche richtung, saß ich nur gespannt und schaute raus. die ganzen häuser. ab und zu ein tunnel. dann kam kurz nichts, weil wir auf einem dieser viadukte waren. und dann kam ein für mich damals sehr faszinierender augenblick. wir fahren an unserem haus vorbei, hinter unserem garten. ein paar häuser noch, dann kam der wald. und dann erstmal nichts.
1991, danach wurde es sehr schnell still. ich sah bald die gleisabbaumaschinen hinter unserem garten fahren. danach kam wirklich nichts mehr.

genauso wenig wie jetzt grade etwas kommt, so gegen ein uhr nachts, im regen. der fahrplankasten, ursprünglich orange wie auch heute noch an den bahnhöfen, ist bis zur unkenntlichkeit beschmiert, die glasscheibe zertrümmert. irgendwo muss hier auf der trasse noch das bahnhofsschild liegen, ein langes weisses blechschild, dessen kanten mittlerweile angefangen haben zu rosten.
ein seltsames gefühl, an einen ort seiner kindheit zurückzukehren, wo die kindheit so schön war.
und was ist jetzt? ein nahezu totes areal, wildbewachsen und ebenso wild mit müll bedeckt. manchmal habe ich das gefühl mich selber zu sehen, damals, 1991.

sie sagen, in 20 jahren sei eine reaktivierung der strecke wieder möglich. dann bin ich 42. und vielleicht dann noch einmal kind.

1.2.08 03:48, kommentieren



neun monate

neun monate.
das ist die zeit, in der ein neues menschliches wesen heran wächst. es kann eine unglaublich lange zeit werden, wie ich gemerkt habe. nach neun monaten bin ich wieder an der nordsee. und selten war es so schön in diesem zimmer zu sitzen, das große fenster neben mir, das bett in dem ich schon seit bald zehn jahren schlafe.
während ich es mir angucke, dieses bett, treten szenen in meinem kopf auf, die ich in diesem zimmer mal erlebt hatte. allerdinds sehe ich sie nun aus der dritten person, als film praktisch.
nein, lieber an was anderes denken, z.b. daran, dass die sterne nachts hier am meer schöner sind als in wuppertal. aber die sterne sehen doch überall gleich aus? dann ist es halt der sternenhimmel, der am meer schöner aussieht. obwohl er auch überall gleich aussieht. aber man kann nicht überall sein. will man das überhaupt?

es tat mehr als gut wieder diese salzige kälte zu spüren, den kopft in den nacken zu legen, sich die gegend um den mond anzuschauen und festzustellen, dass neun monate doch zu viel waren. eigentlich bin ich als komplett anderer mensch hierhin gekommen. damals, noch schüler, verliebt, verspielt und optimistisch, steh ich heute hier als student, geliebt, spießiger und realistisch. student sein. was hat man schon davon. alle denken, man sei faul und was man studiert, versteht eh keiner. aber dafür wird man geliebt. auch wenn man diese person selber nicht liebt, und nie lieben wird. es ist schlimm von leuten begehrt zu sein, die man nichtmal mit der kneifzange anschauen will.
spießigkeit. ich gehe bei weitem nicht mehr so oft feiern, wie es mir vielleicht gut tun würde. die zeiten, an denen ich freitags und samstags unterwegs war, sind vorbei. freitags, 23uhr, und ich liege im bett und merke, dass es gut ist. und der optimismus von damals, dass bestimmt alles gut wird, ist heute dem realismus gewichen. jetzt weiss ich, dass es gut war, dass ich den weg gegangen bin, auf dem ich heute da stehe, wo ich grade stehe.

meine gedanken fuhren achterbahn. und genauso wenig sinn hatten sie. überhaupt schienen sich meine körperlichen verlangen nur auf das nötigste zu beschränken, nämlich atmen, rauchen und was trinken. vielleicht etwas einseitig. aber mehr braucht man nicht, wenn man nachts am meer steht.

manche würden sagen, sie bräuchten noch ihren liebsten menschen dabei, weil ohne ihren liebsten menschen, sei ja kein ort mehr schön. was für eine volkskrankheit. sich von anderen abhängig machen. und wenn die bessere hälfte verloren ist, ist das geschrei groß.
nervige welt.

3 Kommentare 16.2.08 02:23, kommentieren

wuppertal und das leben mit der schmacht

kunst kommt von können. und die kunst ist, ohne viel zu können durchs leben zu kommen. oder?
manche dinge werden einem einfach geschenkt. menschen, so toll, dass man es fast nicht glauben kann, kann man als seine freunde bezeichnen. auch aussehen spielt eine rolle. leider. denn wer gut aussieht, hat mehr glück im leben, als er vielleicht verdient hat. geld sowieso. wer geld hat, hat freunde. und wer es nicht hat, hat anscheinend pech. manchmal denkt man, das leben, in dem man sich befindet, basiert auf nichts anderem als geld, gut auszusehen und somit einen pulk von freunden zu haben, will man nach mehr in seinem leben streben, als nur in seinem zimmer zu sitzen und der sonne zuzuschauen, wie sie ihre kreise dreht.
doch selbst wenn man geld hat, ist man nicht zwangsläufig glücklich. sich alles leisten zu können ausser einem oder zwei menschen, die einem im leben alles bedeuten, davon hat man genauso wenig wie die tollsten freunde zu haben, die einen jeden tag unter der brücke besuchen kommen, unter der man lebt. und mit etwas glück, brennt die mülltonne und versprüht eine ungemein romantische aura.
wärme eben. wärme ist das wahrscheinlich das elementarste in einem jeden leben. ohne wärme würde kein leben entstehen und ohne wärme macht das leben dann auch nicht viel spass.
im winter, wenn es kalt ist, merkt man erst, wie es ist, einsam zu sein. und wenn man es nicht ist, redet man es sich ganz schnell ein. dann flüchtet man sich zu seinen liebsten oder seiner liebsten, schliesst die augen und denkt, dass es nicht wichtigeres und schöneres in der welt gibt als diese person, die einen grade im arm hält.
einseitiges denken. aber einseitigkeit muss nicht zwangsläufig falsch sein. unangenehm sowieso nicht. manchen macht es sogar spass, sich wochenlang nur von hamburgern zu ernnähren.
viele sagen, dass liebe das schönste im leben ist. ist sicher so. aber ob es das wichtigste ist? was gibt es wichtigeres für einen menschen, der grade merkt, dass liebe nicht das wichtigste ist?
was ist das wichtigste im leben?
die frage stelle ich mir schon lange aber die antwort lässt, wie immer, auf sich warten...

18.2.08 22:39, kommentieren