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stell dir vor...

heute waren es mal wieder seit langer zeit mehr als zehn grad außentemperatur. um genau zu sein 13 grad. man brauchte nur raus in die stadt zu gehen.
mit jedem grad mehr, werden die leute seltsamer. ist aber auch kein wunder, die letzten wochen brachten uns schnee, kälte und angebrachten verdruss. jetzt muss man jedes grad mehr ausnutzen. wer weiss, wann es wieder warm wird.
vor einem jahr kam man bereits ins schwitzen, sobald man nur an draussen dachte. aber jetzt...
mein leben spielt sich im moment in einer autowerkstatt ab. ein geschichtsträchtiger ort, fast zur selben zeit vor fünf jahren. vor fünf jahren sah die welt so unglaublich anders aus. besser nicht unbedingt. dafür umso angenehmer. selbst wenn ich könnte, ich würde sie nie zurück drehen, die zeit. dafür bin ich zu dankbar für jede woche, die ich hinter mich gelassen habe. bis heute. wenn man die zeit doch nur ins jetzt holen könnte. es gäbe sicherlich ein unglaubliches durcheinander, wenn jemand seine kindheit, seine erste liebe oder vielleicht auch nur den letzten monat vor der chemieklausur für sich haben will. aber schöner als jetzt ist es allemal.

als ich vor drei wochen meinen unfall hatte, dachte ich an nichts böses. kein airbag, der ausgelöst wurde, kein kratzer, dafür aber drei geschrottete autos und 15 prozent höher in der versicherungseinstufung. alles zu ersetzen, irgendwie. aber der schock kam am abend. ich klagte über schmerzen in der brust bei diversen bewegungen mit meinem rechten arm und hinlegen konnte ich mich auch nicht. im krankenhaus sagten sie mir, ich müsse ernsthaft auf mich aufpassen und in betracht ziehen, mein leben in gewissen dingen umzustellen. bei dem aufprall löste sich ein großer teil meiner rechten lunge vom brustkorb. ich wusste nicht, dass sie überhaupt an ihr "sozusagen dranklebt", so sagten sie es mir im krankenhaus. die gefahr ist die, dass sich sich weiter ablöst und/oder an einer stelle umklappt, sodass dieser teil abstirbt und für eine blutvergiftung sorgen kann.
auf dem röntgenfoto konnte man es sehen, wenn man drauf hingewiesen wurde. sonst würde ich sicher nichts böses daran erkennen. oder vielleicht doch? auf beiden lungen zeichneten sich bereits erkennbare, schwarze schleier ab, hervorgerufen durch "nur" sieben jahre rauchen. auch fielen wörter wie krebs und metastasen und ein leben am sauerstoffschlauch. wahrscheinlich ein versuch einer abschreckung.

es ist wie, als wenn man sich ein bein eingipsen lässt und dabei herausfindet, dass man aids hat oder unheilbar krank ist. okay, ich habe weder beides. aber das gefühl ist sehr niederschmetternd.

es gibt aber nicht nur schlechtes in den letzten wochen.
chemie ist endlich bestanden und ich habe interessante menschen kennengelernt, wovon eine in die kategorie "ich kenne dich grade eine woche aber ich will dich schon jetzt heiraten" passt. am selben tag wie chemie habe ich meinen neuen stundenplan erfahren, womit es mit den positiven dingen auch schon wieder vorbei ist.
mein neuer stundenplan sieht vor, dass es pro woche nun 50 wochenstunden gibt, verteilt auf fünf tage mit zwei mal 12, zwei mal zehn und ein mal sechs stunden. freizeit gibts nicht mehr. wozu braucht man auch schon freizeit...

vielleicht ist es auch besser so, dass mir die zeit zum nachdenken genommen wird. einer von wirklich wenigen angenehmen erinnerungen war eine person, die ich vor wenigen wochen kennen lernte. mehr oder weniger durch zufall muss man sagen. nett, das sind sie alle. aber interessant nicht. das sind nur wenige. und die wohnen natürlich weiter weg als nötig. wobei bad salzuflen nicht wirklich der rede wert ist. aber es ist zu wenig um sich keine gedanken darüber zu machen und zu viel, um es auf mehr ankommen zu lassen. schlimme kombination. zumal meinerseits auch noch die uni und die arbeit mir weiter kopfzerbrechen bereiteten.
die nächte haben wir telefoniert und gelächelt und das schon ab dem zweiten tag nach unserem kennenlernen. sie hat sich immer dagegen gesträubt, mir ihren vornamen zu sagen, immer nur musste so ein austauschbarer rufname herhalten. dabei hat sie meiner meinung nach einen der schönsten mädchennamen, den man als frau haben kann.
es ist eben wie es ist, und man versucht sich so gut es geht kennen zu lernen. was auch durchaus geschieht. nur leider von der falschen seite. sie hat stress "zuhause", er hat stress mit der uni, insbesondere mit der chemie. die zeit, der er zum lernen aufbringen müsste, dezimiert sich auf ein lächerliches, dank dem job, den er nicht aufgeben kann. es zerrt an seinen nerven und auch ihre scheinen immer dünner zu werden. hinzu kommt der wunsch sich näher zu sein als nur per telefon. zumindest bei einem von beiden. und dann fing das chaos an.
gezeichnet von dieser eingespanntheit und dem kampf an zwei fronten macht er einen fehler, den man nicht so leicht verzeihen kann. statt sich zu freuen mit ihr zu reden, rutscht ihm verbal die hand aus und tut ihr weh, obwohl er es nicht wollte und sie noch weniger etwas dafür kann. fast so, als wenn sie sich schon seit monaten kennen. dabei war es grade mal die dritte woche. ein zeichen von vertrautheit ihr gegenüber. und diese vertrautheit wurde zum verhängnis.
die beiden gingen sich mehr und mehr auf die nerven und dann fiel auch noch die vokabel "verknallt sein", ohnehin schon ein extremum in dieser bis dahin kurzen zeitspanne.
die tage vergingen, der kontakt wurde weniger und als er endlich wieder den rücken frei hatte hatte er sich vorgenommen, wieder auf sie zuzugehen, sich zeit für sich und für sie und am liebsten für beide zu nehmen.

aber damit endet an dieser stelle der rote faden. das blatt hat sich für beide gewendet, für sie zum besseren. und für ihn?
er wollte mit ihr unbedingt einmal zusammen etwas trinken gehen. er hatte sich insgeheim geschworen sie einmal zum essen einzuladen und mit ihr im sommer am wasser entlang zu gehen, dem abend entgegen. er kannte sie noch nicht lange, aber er wusste, dass sie es sein würde, mit der er sich diese gedanken erfüllen könnte wenn sie wollte.

stell dir vor, du lebst. und keiner bemerkt es...

2 Kommentare 31.3.08 03:12, kommentieren