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Do you think you can find it better than you had it?

der frühling scheint zu kommen.
zumindest war er für ein paar tage zu besuch. und die tage, die es grau, nass und kalt war, man ist so abgestumpft, dass es einem schon gar nicht mehr so lange vor kommt.
ein monat seit meinem letzten eintrag liegt zurück.

es sind kleinigkeiten, über die sich millionen paare auf dieser welt streiten. die offengelassene zahnpastatube, der nicht herunter geklappte klodeckel. oder einfach nur die farbe des wohnzimmers. mehr oder minder kleinigkeiten. kleinigkeiten, die unser halbes leben ausfüllen, mitbestimmen, korrigieren.
zufälle sind in gewisserweise auch kleinigkeiten. zufällig kackt einem eine möve auf die schulter, oder zufällig sind die batterien der fernbedienung für den fernseher am samstag leer, wo grade die geschäfte geschlossen haben. aber zum glück gibts ja taschentücher für die mövenkacke und tankstellen, die batterien verkaufen.
alles hat seinen preis.
ausser bei visa, da mögen hotelaufenthalte hunderte kosten, das lächeln seiner liebsten ist kostenlos.

zufälle haben auch ihren preis. so oder so.
als ich letzten samstag auf dem ölbergfest war, dachte ich, wie so oft, an alles. nur nicht an mein leben, oder vielleicht eher an mein pech, das mir schon lange keinen streich mehr gespielt hatte.
das wetter, traumhaft. die atmosphäre, toll. menschenmassen, musik und reges treiben an jeder ecke. und so langsam dunkelte der himmel und mischte die tollsten farben an ihm und am horizont. für ein paar stunden die welt um den ölberg herum vergessen. nur meine freunde und ich.
und dann war da dieses mädchen. die schwester von einem freund, mit dem ich studiere. zwillinge sogar, und das nicht vom sternzeichen her. er, markant, tiefe stimme und seine unverwechselbaren haare. sie, weiblich, fast schon sinnlich, eine liebliche stimme und lange blonde haare. niemals würde man ihnen glauben, dass es zwillinge sind. das erste mal, dass ich sie sah. ansonsten hatte ich nur von fotos aus versuchen können, mir einen eindruck zu verschaffen. schon das erste mal, als ich ein foto von ihr sah, sorgte für ein sanftes, undefiniertes lächeln in mir. der eindruck, den ich dann an dem abend von von ihr hatte, er bestätige mein lächeln. unterhalten hat man sich, zusammen das ein oder andere bier getrunken, sich zugehört, sich bemitleidet und erstaunt war man auch hin und wieder.
ihr lächeln hatte etwas verführerisches. und dann auf einmal etwas ungewohnt freundliches. ihre lippen wirkten zart, manchmal wie gemalt. und ihre augen, die so wirkten, als wenn sie noch dann noch freundlich aussehen, wenn ihre besitzerin wütend ist, rundeten ihren anblick zu einem angenehmen erscheinungsbild ab. keine frage, eine hübsche junge frau, 21 jahre alt und 1,71 groß.
ebenso beeindruckend, dass sie viel in der welt rumkam, drei sprachen fließend sprechen kann und tiere liebt. genauso wie die musik, die ich liebe. mehr und mehr gemeinsamkeiten zu entdecken sorgten für ein herzliches grinsen in meinem erschöpten gesicht. und köln, wo sie wohnt und studiert, ist auch nicht die welt und außerdem eine schöne stadt.
der abend war jung, und dauerte lang. wie so oft, wenn wir alle unterwegs waren. einfach unersetzbar.

um halb vier morgens trat ich meinen nachhauseweg an. eher zum auto, und das stand in unterbarmen. ich hätte mit dem bus vom ölberg runter in die stadt und dann mit dem nachexpress zum haspel fahren können.
stattdessen trat ich den weg zu fuß an. und auf einmal hörte ich im hinterkopf eine musik spielen. say (all I need) von onerepublic. wie so oft kam ich mir vor wie in einem musikvideo. aber eines, was ich drehte.

in dieser nacht, in der entfernung nur noch relativ und nichts mehr als ein wort war,
in dieser nacht, in der kälte zum ein fremdwort war, obwohl ich gänsehaut bekam,
in dieser nacht, in der die sterne überleuchtet wurden von dem abschließenden feuerwerk des ölbergfestes,
in dieser nacht, in der ich die paar sorgen, denen ich es gestatte, mich ab und an sorglich zu stimmen, vergessen konnte,
in dieser nacht stellte ich mir die frage, ob es liebe auf den ersten blick tatsächlich gibt.

ich stand oben am tippen tappen tönchen und schaute auf die stadt. die massive uni oben auf ihrem thron mahnte mich, nicht die paar nerven zu verlieren, die ich noch habe. ihnen zuliebe zündete ich mir eine zigarette an, dessen qualm beim ausatmen mir leicht die sicht nahm, so sachte stieg der rauch in dieser milden fühlingsnacht auf.
wieviele sich wohl in diesem moment dasselbe fragen wie ich?
die leute hinter mir, sie redeten nur und lachten laut und hatten probleme unversehrt die strasse zur treppe runter zu kommen. wenn sie bloß nicht wären. der moment über der stadt zu stehen und die frau zurück zu lassen, in die ich mich vor zwei minuten, genau dann, als ich meinen nachhauseweg antrat, verliebt hatte, er war so befremdlich. und mit jeder treppenstufe, mit jedem schritt weiter von ihr weg, so befremdlicher und auch schwerer wurde er.

als ich an mein auto kam, bereute ich es fast schon wieder ein wenig. zu laufen war echt angenehm auf der einen, irgendwie aber auch notwendig auf der anderen seite. bis ich zuhause wäre, so dachte ich, hätte ich sicher einen klaren kopf. und auf jeden fall würde die sonne schon aufgehen, da hätte ich noch viel zu laufen.

so oft kritisiere ich die menschen, die sich vor lauter liebe so abhängig machen, dass sie schon gar nicht mehr normal laufen, geschweige denn leben können.
und selten war ich so bereit, es auszuprobieren wie es wäre, abhängig zu sein - vor liebe.
ich dachte wieder an say (all I need).

29.4.08 02:07, kommentieren