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10.24h - teil 1

irgendwann klingelte der wecker. recht schrill und unsanft. und vor allem früh. immerhin war es schon lange hell, so um sechs oder sieben uhr. denn schließlich hatte ich heute, am 1. juni etwas vor.

hunger hatte ich keinen wirklichen. ich ging ins badezimmer, duschte, machte mich fertig. und niemand hätte sich gewundert, denn ich war alleine an diesem wochenende. eltern waren weg, der hund auch. nur die große weite welt und ich.
gegen acht stand ich auf dem balkon, geblendet von der sonne, mit einer tasse cappucino in der hand. ganz schön heiß, und die sonne war auch schon stark. die sonne schien fast schon zu hell und man würde am liebsten reingehen, aber dann war da dieser wunsch draussen zu bleiben, unter freiem, an diesem morgen, schönen blauen himmel. drinnen würde ich mich eingeengt fühlen, und aufs klo muss ich auch noch. und überhaupt, konzentrieren kann ich mich auch nicht. aber auf was auch.
so ganz erklären, was in meinem kopf abging, kann ich nicht. nachgedacht habe ich. ziemlich heftig, recht kurz und genauso ziellos. ich dachte daran, dass sie um 10.24h auf gleis eins am hauptbahnhof ankommt. fertig. dann dachte ich daran, dass wir sicher irgendwo was essen gehen. auch fertig. und dann dachte ich, wie sie sein würde. ich dachte an sie. immerhin sehen wir uns zum ersten mal. nicht fertig. mehr oder weniger fing ich an im kreis zu denken, ohne rechtes ergebnis, dafür mit der erkenntnis fast umzukommen vor spannung. ein ungewohntes gefühl, als wenn etwas in dir kurz davor ist zu explodieren.
recht unangenehm sowieso.
ich ging anschließend hoch, mich fertig für den tag machen. was anziehen, etwas was locker, angenehm und auch noch schick sein sollte. gar nicht mal so einfach, anbetracht der tatsache, dass es heute warm und sicher nicht sehr entspannt wird. nachdem ich mir was angezogen hatte, überkam mich das gefühl es nicht mehr auszuhalten. um halb neun machte ich mich auf den weg zum bahnhof langerfeld. ich musste raus. in der stadt wird sicher etwas mehr ablenkung sein, bevor ich um 10.24h am ersten bahnsteig warten werde.

2.6.08 01:22, kommentieren



10.24h - teil 2

am bahnhof, ich bin eigentlich eine ganze viertel stunde zu früh los gegangen, fällt mir auf, dass es fast schon etwas idyllisch anmutet: ganz viel grün in form von efeu, was sich die wand am bahnsteig richtung schwelm entlangwurzelt. auf einer bank sitzend schaue ich in den himmel und atme tief durch.

die s-bahn, um 9.49h, ist recht pünktlich heute, nur eine minute verspätung, und weitere elf minuten später war ich am hauptbahnhof angekommen. und dann wieder warten.
leute beobachten, das habe ich immer schon gemacht. aber selten versucht in sie hinein zu schauen. etwas ziellos gehe ich den bahnsteig, nummer eins, auf und ab. dann bleibe ich stehen und beobachte die anderen bahnsteige und dessen leute. reges treiben heute morgen, und immer wieder durchsagen. dass züge sich verspäten, oder ganz ausfallen. wie die person hinter der weiblichen stimme wohl aussieht?
dann, 10.24 uhr. die regionalbahn sollte jetzt kommen. keine durchsage. ich schaue in die richtung aus der er kommen soll, dann auf die uhr, 10.26 uhr, und dann kam er auch. ganze zwei minuten zu spät. die längsten zwei minuten meines lebens bis zum abi.

eine fernbeziehung bringt gewisse anforderungen. und umstände.
zum ersten mal steht sie vor mir, gekannt haben wir uns dann doch schon so knapp ein dreiviertel jahr. ungefähr. das erste mal, als wir telefonierten, ich rief sie vom handy aus an. abends, als ich mit dem hund draussen war. und das war knapp zwei oder drei monate vorher.
und nun standen wir uns gegenüber, verknallt bis zum blauen himmel. wir fuhren zu mir nach hause zurück. zimmer, haus und so zeigen, haben dann eine kleinigkeit gegessen. und dann zurück in die stadt gefahren. in elberfeld war eine miss-wahl, miss elberfeld. und dementsprechend viel los. klar. die zeit verging wie im fluge. wie immer. leider. ich wollte meinem besuch die schönen ecken in wuppertal zeigen. und sind dann zum toelleturm gefahren. viel alte leute, bunte blumen, kleine kinder und mittendrin wir. wir schauten uns die alten an. überlegten, ob sie damals auch hier gesessen haben, als sie in unserem alter waren, auf dieser bank. diese ganze situation, fast schon kitschig. aber dafür sehr geschichtsträchtig. ihr duft wehte mir entgegen. und die sonne brannte auf uns ein. das war so das erste mal in meinem leben, dass ich mich in so einer situation befand. ob man mir das ansah, dass ich innerlich aufgeregt war, noch immer, weil ich mich nicht entspannen konnte?
was ich zu dem zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass der toelleturm seitdem und auch in zukunft bis heute ein besonderer ort für mich werden sollte.
ebenso wenig wusste ich nicht, dass sich mein leben um 10.26 uhr, als sie aus dem zug stieg und wir uns zum ersten mal sahen, nicht mehr so sein würde wie vorher.
der tag neigte sich dem ende zu und wir saßen um 21uhr wieder am hauptbahnhof. gleis eins. und dann würde ihr zug nach hause kommen. und damit die frage, wie es weiter geht. der lauf der zeit zeigte, dass dann eine ganz besondere zeit in meinem leben anstand. und die begann mit dem 1. juni im jahre 2002.

sechs jahre später ist das wetter nicht so toll wie zu jener zeit. viel zu schwül und drückend. und vom zauber von damals sind nur noch erinnerungen übring geblieben. sie sind das einzige, was einem menschen irgendwann bleiben.
und jahrestage sind gut für die statistik.
es wird zeit, mit andy mal wieder zum toelleturm zu fahren.

3.6.08 00:00, kommentieren