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Das Gefühl

Nun ist es schon wieder November. Und der letzte Eintrag ist von... Februar? Eine lange Zeit, in der erschreckend viel unerwähenswertes geschehen ist. Februar, Grothe de Koster, da war ich einen Morgen lang mit zum "Probearbeiten". Lieferant für Backwaren in Wuppertal. Ganz schön dreckiger Job. Und ich meine nicht mal den Verschmutzunggrad am eigenen Leib. Ich meine den Job an sich. Sinngemäß kann man "dreckig" auch durch "nicht so toll" ersetzen... und dann war da noch dieser viele, viele, dreckige Schnee...

Ja,dieses Jahr war so unvermeidbar wie nötig. Warum? Vom Kopf her ist das laufende Jahr 2010 mit das tiefste in meinem Leben. Bis etwa in die Mitte des Jahres kam ich zu gar nichts mehr in der Uni. Keine Klausuren geschrieben. Und die Frau vom Prüfungsamt wollte den Grund wissen, als ich mich für alle Klausuren abmeldete: "ich kann nicht mehr, ich brauch mal Pause". Ihre Antwort ist ebenso kurz wie überraschend und wie auch im Ton tröstend: "Okay, ruhen Sie sich mal aus...".

Nicht zu vergessen war der Mai. Und ja, da ist so ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Der Traum, mit einigen meiner liebsten Menschen, die ich um mich rumhaben mag, zur Nordsee zu fahren. Das Wetter war vergleichsweise nicht so toll, zumindest nicht am Meer. Wenn ich darüber nachdenke, dass man manchmal im Mai schon locker mal 30°C hatte, da waren dei 17°C an der Küste so gar nichts. Aber es war trotzdem schön. Und Oli hat dort endlich mal wieder eine Frau kennengelernt, die er jetzt als seine Freundin bezeichnen darf.

Es klingt wie ein vorgezogener Jahresrückblick, vielleicht ist es auch einer. Ja, das Jahr 2010, bald texte ich schon fünf Jahre hier rum. Und in diesen fast-fünf-Jahren habe ich glaube ich nicht viel Gutes zu berichten Gewusst. Ich habe immer dann geschrieben, wenn es mir dreckig ging. Nun aber möchte ich hiermit etwas fest und klarmachen. Für wen auch immer, der es hier liest, und für mich: Die Talsohle habe ich durchschritten. Es wird Zeit, dass wieder Erfolgserlebnisse die Runde machen.

Helfen tut mir, das muss man auch mal sagen, das Geld, das ich verdiene. Nein, nicht beim Backwarenhersteller, sondern, dank Stefan, in der Weinbranche und dank Lars, in der Hifi-Branche. Das Geld tut mir und meinem Auto gut. Nun habe ich das nötige Geld, auch mal einmal mehr zum Meer fahren zu können oder meinen Liebsten Sachen an Weihnachten schenken zu können. Natürlich sollten Geschenke nie DAS Thema zu Weihnachten sein. Aber warum es mir dann so wichtig ist? Wer an Weihnachten selber nie geschenkt hat, sondern nur geschenkt bekommen hat, der ist irgendwann mal froh, selber schenken zu können. Auch wenn es nur Blumen für Oma und für Opa´s Grab sind.

So gern wäre ich in diesem Moment am Meer, in unserem Haus dort. Den Geruch einer anderen, vertrauteren Heimat mit etwas, was mir hier mittlerweile so gut wie abhanden gekommen ist. Mit Herz. Dort oben an der Nordsee, dort ist für mich die Zeit auf so positive Weise stehen geblieben. Seit 1998 sitzt dort oben meine zweite Heimat. Und es hat sich seitdem nichts wichtiges verändert. Der Geruch, die Schönheit der Landschaft, das Meer. Mittlerweile bereue ich es, die letzten Jahre versäumt zu haben, dass ich nicht öfter mitgefahren bin, wo ich hätte mitfahren können. Hach ja...



das Gefühl ist aus der Kiste raus
und es zieht mir schon die Schuhe aus
doch das Leben ist kein Warenhaus denn es nimmt nichts zurück...

Ewigkeiten kommen und gehen
hab sie mehr als einmal anprobiert

hier zu eng, da zu streng
irgendwo kneift es mich
zu skurril, nicht mein Stil
das Gefühl steht mir nicht
ich schau mich nur um
schau mich nur mal um
...

1 Kommentar 18.11.10 02:30, kommentieren