Tolles Deutschland, sinkende Schiffe und Paris.

Juli 2012. Vergangene Zeit seit dem letzten Eintrag: sehr lang. November 2010 war der letzte Monat, aus dem ich schrieb. Nun, eineinhalb Jahre später hat sich in der Tat vieles getan.
Nun, das einschneidenste ist sicherlich die Trennung von Lena. Ins Detail möchte ich mal nicht weiter gehen. Aber ich denke noch heute darüber nach, ob es richtig war, eine Beziehung so dermaßen gegen die Wand zu fahren. Und ja, es war so oder so richtig. Dass man menschlich irgendwo nicht mehr zusammen passt, ist das eine. Dass man zeitgleich jemanden kennenlernt, bei dem man nach einem Jahr (und zum ersten mal überhaupt) das Gefühl hat, dass manauf ewig zusammen sein wird, aufrichtig und mit guten Gefühl, das andere.

Sich von Lena getrennt zu haben kommt dem Abriss eines kleinen Städtchens gleich. Man hatte viel Zeit sich das ein oder andere aufzubauen. Aber wenn man auf einmal merkt, dass die Autobahn des Lebens durch dieses Städtchen muss, weil man sich in der Planung offenbar vertan hat, dann muss man Prioritäten setzen. Auf der Stelle stehen und unglücklich sein ist unproduktiv. Seltsamer vergleich. Aber er passt. Denn mittlerweile habe ich einen wichtigen Baustein in meinem Leben entdeckt und gesetzt. Und dieser Baustein ist eine Person. In vielerlei Hinsicht kann ich auf sie/ihn bauen. Der Weinbranche habe ich vor etwas mehr als einem Jahr den Rücken gekehrt ("Leider stimmen die Umsätze nicht mehr..."). Und Remscheid ist nun oft, im Grunde täglich mein Ziel geworden. Dass ich interessanterweise in der Woche mehr Sprit zu meiner jetzigen Freundin verfahre, als damals zu Lena sei nur nebenbei erwähnt.

Die Zeit vor dem 29. Mai 2011 mit der Zeit, die einen Tag danach eintrat, darf man eigentlich nicht vergleichen. Ich glaube, ich wäre heute längst daran kaputt gegangen, wenn ich nicht aus der Beziehung getreten wäre. Und das wäre nicht mal mehr Lenas Schuld gewesen. Menschen können nicht viel dafür, wie sie sind. So wie sie sind, sollen sie bleiben. Und ob man dann bei ihnen bleiben will, ist die Frage die es zu klären gilt, will man lieber in einer Fernbeziehung bleiben, bei der alles schief läuft, was nur schief laufen kann, oder will man einen so drastischen Schritt waren, dass man zweieinhalb Jahre, im großen und ganzen harmonische Beziehung in den Sand setzt? Wenn ich das ganze in einen Traum verpacken müsste, würde ich das so gestalten, dass ich unterwegs auf einem Schiff bin, das nicht sehr hübsch, aber dafür solide, treu und zuverlässig ist. Dann sehe ich ein schöneres, flotteres Schiff und will es haben. Dafür steuere ich die nächste Sandbank an und haue ab auf das schönere Schiff um dann zu merken, dass es mehr Funktionen hat.

Doofer Vergleich. Aber eigentlich ist dieser, vielleicht auch moralisch anfechtbare Fakt, dass ich jemanden verlassen habe für jemanden, der besser aussieht, auf eigenen Füßen steht und mir im Grunde vom ersten Moment an mehr gefallen hat, als meine letzte Partnerin in der ganzen Zeit mir nicht gefallen hat, der Grund, warum ich so lange nicht mehr geschrieben habe.
Tatsächlich habe ich lange darüber nachgedacht, wie falsch das von mir war. Und genauso habe ich darüber nachgedacht, wie richtig es war. Es ist so ein bisschen wie im Film "Der Exorzismus der Emily Rose". Genauer gesagt, dessen Ende, bei dem der Pater schuldig gesprochen, aber doch freigelassen wird. Einfach mal den Film anschauen, könnte sich lohnen, wenn man auf sowas steht, wie der Name es schon zu vermitteln versucht.
Ich habe mich moralisch schuldig gemacht. Und dafür entschuldige ich mich. Aber man soll einem besseren was auch immer nicht im Wege stehen. Der Ansicht bin ich spätestens seit dem 30. Mai 2011.

Aber es sind auch noch andere Dinge passiert, über die ich heute nachdenke. Interessanterweise auch mal im Positiven. Im März 2011 bin ich z.B. allein ans Meer gefahren. Ganz allein, nur die Hunde und ich. Abends um 22h losgefahren, durch die Nacht bei Tempo 130 und 5,5l Verbrauch auf 100km mit angeschaltetem Tempomat. Eine frische, sternenklare Nacht. Übrigens habe ich auch DAS Lied für nächtliche Fahrten allein durch die Bundesrepublik (und allein auf der Autobahn) genießen gelernt. Kings of Leon - Pyro. Man kann förmlich das Funkeln der Sterne am Anfang des Liedes hören. Einfach mal machen: Sich ein einsames Ziel suchen und nachts hinfahren, dabei das Lied hören.

Auch auf ewig erinnernswert: Paris im September 2011. Mit dem Auto übers Wochenende nach Paris gehört zu den Dingen, die man als junger Europäer durchaus mal in Erwägung ziehen soll.

Nun, es ist Juli. Das Jahr ist noch nicht zuende und der Sommer spielt mal wieder. Auch die verlorene Fußball-EM gegen, welch Überraschung, Italien ist nichts weiter als eine Peinlichkeit, die man sich hätte sparen können. Aber so ist das mit uns Deutschen. Wir sind so toll und sind wie überall eigentlich kaum zu schlagen. Und dann kommt das korrupte, Krisen geschüttelte Italien und schlägt das tolle Deutschland. Mal wieder. Nun ja.

10.7.12 01:32

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