Sommereifen und Neutronensterne

April 2013. Dieser Frühling wird in die Geschichtsbücher eingehen. Da bin ich mir fast sicher. Seit einigen Tagen ist offiziell Frühling, tatsächlich haben wir seit über einem halben Jahr Temperaturen unter fünf Grad. Celsius. Bis auf zwei Ausnahmen. Weihnachten 2012 war es vielerorts bis zu 20°C warm, dann einmal März, als es für ein paar wenige Tage ähnlich warm war. Und dann kam die Kälte. Nach einem halben jahr Kälte scheint die Evolution förmlich an einem zu arbeiten. Man hat das Gefühl, die Haut wird dicker, die Haare wachsen schneller. Und alles, damit man besser mit der Kälte umgehen kann. Und dann denkt man an Sibirien. 40°C unter Null. Was für eine Hausnummer. Oft stelle ich mir vor, wie sich solche Temperaturen wohl anfühlen. Es würde mich reizen. Und auch wieder nicht.

Und wenn man weiter denkt: Wie kalt muss sich wohl der Weltraum anfühlen? Das Universum. Faszination pur. Würde man Wasser in den Weltraum entlassen, es würde sieden und gefrieren. Gleichzeitig. Das Gäbe sicher bizarre Formen. Im Weltraum, wo Kälte wie Hitze fließend ineinander übergehen, dürften die Probleme unserer Welt auf ein Minimum an Bedeutung schrumpfen. Chromosomen eines Menschen wären dagegen riesig. Und wer denkt sich nicht, wenn man eines klaren Nachts in den Himmel blickt: Wer ist da noch? Ist da überhaupt wer? Oder ist da überhaupt irgendwas? Bestimmt sind da ganz viele schwarze Löcher. Man sieht sie nur nicht. Der Gedanke, dass so ein schwarzes Loch eine dermaßen starke Gravitation besitzt, dass es selbst Licht in sich unwiderbringlich hineinsaugt, ist fast zu krass um es als real zu empfinden. Licht, das gekrümmt wird. Raum, der gekrümmt wird. Albert Einstein hat mit seiner Relativitätstheorie tolles vollbracht. Die Vorstellung, dass es ausser schwarzen Löchern, die durchmessertechnisch die Größe einer großen Stadt haben, auch Sterne, genauer Neutronensterne gibt, die einen auf wenige Meter zusammenpressen würden, würde man auf ihnen stehen, lässt die Tatsache, dass hier auf unserer schönen Erde die Winter immer länger werden, nahezu lächerlich werden.

In Anbetracht der Tatsachen, dass ich mich nicht mehr daran erinnern kann, wie sich Wärme anfühlt, bin ich gespannt darauf, wie ich reagiere, wenn ab nächster Woche die Temperaturen in die zweistelligen Bereiche klettern. Das bedeutet: Sommerreifen aufziehen, Auto säubern (auch von innen) und bereuen, dass man den Winter über wieder zugenommen hat.
Ich freue mich trotzdem.

6.4.13 03:59

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