Sommer, Sonne, Ferien. Es ist Wochenende, der Tag wandelt sich allmählich zum Abend und der Himmel scheint nicht mehr gleißend hell sondern warm rötlich. Warm ist auch die Luft mit ihren 28°C. Ein paar Freunde gefragt, was man machen könnte. Biergarten? Bevertalsperre? Zuhause bleiben? Tetraeder? Nein, zuhause bleiben geht nicht, also werden schnell die CD´s mit den persönlichen Lieblingsliedern rausgekramt und ab ins Auto.

Der Motor springt an, schüttelt sich wach und nagelt vorfreudig vor sich hin. Die Außentemperaturanzeige informiert mich mit immer noch 28°C über die aktuelle Lage. Fenster runter, "Loud"-Funktion des Radios aktiviert und ab zum Schwelmer McDonalds, wo wir uns treffen. Und es ist jedes Jahr dasselbe, man ist nie allein abends. Wir trinken was, essen eine Kleinigkeit, rauchen uns die obligatorische Zigarette und fahren Richtung Wuppertal. Mit dabei: ein paar Freunde verteilt auf zwei weitere Autos, zwei Mann pro Auto. Fenster sind unten, Musik ist aufgedreht. Tank ist sowieso voll. Und jetzt steht genießen an.

Während die Bässe aus dem Kofferraum pumpen säuselt der Wind durchs Auto und zerrt am bunten Hawaiihemd. Und am Fuchsschwanz an der Antenne. Der linke Arm ruht auf dem Fensterbrett, hängt fast runter. Zum lenken braucht man nur eine Hand, die andere ruht mit dem rechten Arm auf der Armlehne zwischen den Vordersitzen. Duft von Abgas, Stadt und lauer Luft weht durchs Auto, durch unser Haar in die Nase. Der der Drehzahlmesser zeigt gemütliche 1400 Touren an, der Motor schnurrt vor sich hin, um ja nicht die Musik zu stören: Muschiflo.

Autos überholen uns. Wir überholen Autos auf der Suche nach attraktiven, weiblichen Fahrerinnen, die auf der selben Mission unterwegs sind, wie wir: Cruisen.
Das drei-Teilige Napalmkommando bahnt sich seinen Weg durch die Stadt Richtung Elberfeld. Immer wieder kommen wir an jungen Damen vorbei, meist mit dicker Sonnenbrille auf dem Kopf und Freundinnen an Bord. Sie schauen rüber, wir zurück. Und manchmal bleiben sie neben uns. Oder wir neben ihnen. Kleine Machtkämpfchen um die bessere Elastizität des Motors kommen auf. Dass 100PS aus einem 2-Liter Turbodiesel alter Schule 60PS stehen lassen, ist mir von vornherein klar, woraufhin ich die Damen ziehen lasse. Sie lassen sich eh zurückfallen.

So offenbaren sich die restlichen drei Kilometer zu unserem vorläufigen Ziel, der Uni-Bank, ganz schön witzig. Nächst Kippe an, dran ziehen, abaschen. Und mit dem rechten Fuß bestimmen wieviel Luft man abbekommt. So läuft das Leben und die Stadt an uns vorbei. Aber beides macht in diesem Moment einfach nur Spass. Spontanerweise machen wir einen kleinen Umweg durchs Louiesenviertel. Sehen und gesehen werden ist die Devise heute Abend. Wir drehen die Musik etwas runter, wir wollen das Klacken der Stöckelschuhe der Damen in kurzen Kleiden und knappen Röcken hören. In Momenten wie diesen, wo Primitivität Trumpf und eine Crew aus ebensolchen primitiven Leuten am Start ist, sind Reize wie lange, braungebrannte Damenbeine in Jeansminiröcken oder schwarzen Baumwollhotpants gleich doppelt reizvoll.

Wir saugen diese Flut an Reizen auf, atmen einmal tief durch, um weiter den Abend zu bestreiten und den Weg zur Uni-Bank fortzusetzen.